Freitag, 13. November 2015

Vorwahlen - Caucus - Primary - Super-Delegierte


Vorwahlen in den USA



Bevor in den USA 2016 die Kandidaten der Demokraten und Republikaner zur Präsidentschaftswahl offiziell antreten, müssen sie auf dem Nominierungsparteitag, den beide Parteien nach Abschluss der Vorwahlen abhalten, durch die dortigen Delegierten gewählt werden.

Die Funktion der Vorwahlen besteht in der Entsendung der Delegierten zu diesen Parteitagen. Es wird also nicht der Präsidentschaftskandidat direkt gewählt, sondern Delegierte, die dann je nach Ausrichtung für den einen oder anderen Kandidaten stimmen.



Welche verschiedenen Formen der Vorwahlen gibt es?


Bei den Vorwahlen wird unterschieden zwischen verschiedenen Varianten des Caucus und Primary. Die Anwendung ist je nach Bundesstaat und Partei unterschiedlich. Unterschied Caucus und Primary, folgende Varianten gibt es:



Caucus

Bei Caucuses kommen die Anhänger einer Partei bzw. registrierte Parteimitglieder in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Gemeindehäusern, Bibliotheken etc. zusammen, beraten und diskutieren, welcher Kandidat beim Nominierungsparteitag unterstützt werden soll. Hier werden dann auf unterschiedliche Art Delegierte mit den Beratungsergebnissen bestimmt und in Versammlungen auf regionaler oder lokaler Ebene bzw. auf Nominierungsversammlungen entsandt, die wiederum dann die Delegierten für den Nominierungsparteitag bestimmen.

Es gibt keine bundesweiten einheitlichen Regelungen für die Caucuses. Diese können je nach Bundesstaat und Partei unterschiedlich sein.

Jedoch ist festgelegt, dass sich jeder Bürger nur einmal registrieren lassen kann. Wer sich also für einen Caucus der Demokraten meldet, kann nicht auch noch beim Caucus der Republikaner teilnehmen.



Primary

Bei den Primaries finden richtige Wahlen statt. Es gibt verschiedene Formen von Primaries:



Open Primary: Hier dürfen alle Wahlberechtigten an der Vorwahl teilnehmen, unabhängig davon, ob sie Mitglied dieser Partei sind oder ob sie diese präferieren.



Semi-open Primary: Wie ein Open Primary, nur dass jeder Wahlberechtigte nur an einer Vorwahl teilnehmen darf und sich damit entscheiden muss, ob er bei den Demokraten oder Republikanern abstimmen will.



Semi-closed Primary: Hier dürfen alle Mitglieder der jeweiligen Partei abstimmen und zusätzlich alle Wahlberechtigten, die keiner Partei angehören.



Closed Primary: Wie ein Semi-closed Primary, nur dass sich die Wahlberechtigten, die nicht Mitglieder der jeweiligen Partei sind, öffentlich zu ihrer Parteienpräferenz bekennen müssen.


Raiding - das taktische Schwächen des "Gegners"



Unter dem Begriff Raiding versteht man das gezielte Schwächen eines Bewerbers der „gegnerischen“ Partei, indem man diesen seine Stimme gibt, obwohl man gar nicht Wähler dieser Partei sein will. Beispielsweise könnte ein Republikaner gezielt den Demokraten Bernie Sanders wählen, weil er sich erhofft, dass Sanders schlechtere Aussichten gegen die Republikaner hat, als Hillary Clinton.

Raiding kann praktisch nur bei Open und Semi-open Primaries auftreten.



Traditionell findet der erste Caucus in Iowa und die erste Primary in New Hampshire statt. Am sogenannten „Super Tuesday“ findet eine Vielzahl von Vorwahlen statt. Häufig ist hier schon eine klare Tendenz zu erkennen. Auch das Ausscheiden unterlegener Kandidaten ist nach dem Super Tuesday wahrscheinlich. Der Super Tuesday 2016 ist der 01.03. und es finden in 13 Bundesstaaten Vorwahlen statt.

Alle Termine habe ich unter Fahrplan ins Weiße Haus zusammengestellt.



Delegierte und Super-Delegierte


Eine einheitliche Regelung zur Verteilung der Delegiertenstimmen gibt es nicht. Die Delegiertenstimmen bei den Vorwahlen werden je nach Partei und Bundesstaat unterschiedlich verteilt. Häufig findet z. B. eine an das Ergebnis des Caucus oder Primaries bemessene proportionale Verteilung statt. Es gibt aber auch prozentuale Hürden, die ein Kandidat erreichen muss, um überhaupt Delegierte gewinnen zu können. Die Höhe dieser Hürden sind ebenfalls unterschiedlich festgelegt. Auch das Winner-Take-All Prinzip findet in manchen Bundesstaaten Anwendung. Hier gewinnt der Kandidat mit dem besten Ergebnis alle Delegiertenstimmen.
Wie die Delegierten konkret in den einzelnen Bundesstaaten verteilt werden, ist den Kurzvorstellungen der Bundesstaaten zu den Vorwahlen beschrieben.

Bei den Demokraten gibt es die in den Vorwahlen gewählten und an die Entscheidung aus den Vorwahlen gebundenen Delegierten (pledged delegates). Zum Nominierungsparteitag der Demokraten kommen noch die sogenannten Super-Delegierten (super delegates oder unpledged PLEOs) dazu. PLEO steht für „party leaders and elected officials“. Dabei handelt es sich um Führungskräfte der Partei und in Ämter gewählte Parteimitglieder. Die Superdelegierten sind frei und ungebunden in ihrer Entscheidung, wen sie auf dem Parteitag unterstützen.


Bei den Republikanern gibt es ebenfalls zusätzliche Delegierte. Sie heißen „RNC delegates“ und gehören dem bundesweiten Parteivorstand, dem Republican National Commitee an. Jeder Bundesstaat entsendet drei RNC delegates und kann selbst entscheiden, ob sie in ihrer Entscheidung frei oder gebunden sind. Im Gegensatz zu den Demokraten gibt es bei den Republikanern aber deutlich weniger Zusatzdelegierte.

Kommentare:

Sören hat gesagt…

Hallo Thomas,

danke für die gute und kompakte Übersicht.
Interessant wie unterschiedlich die einzelnen Bundesstaaten bei den Vorwahlen agieren.

Anonym hat gesagt…

Vielen herzlichen Dank für so viel Information auf einer Seite! Ich bin total begeistert! Weiter so!

Thomas hat gesagt…

Danke für die positiven Rückmeldungen, das freut mich!